Freimaurer und Aufklärung

Freimaurer und Aufklärung

Was haben die Freimaurer zur Aufklärung beigetragen?

Drei prägnante Ereignisse standen an der Schwelle zur Neuzeit. Da war einmal die Reformation und die damit verbundene Enteignung der Kirchen und Klöster, die den individuellen Enteignungs- und den gesellschaftlichen Akkumulationsprozess der modernen Wirtschaft ankurbelte, dann die Entdeckung Amerikas, welche die Erforschung der Erdoberfläche in Gang brachte und schließlich die Erfindung des Teleskops und die damit verbundene Entwicklung einer neuen Wissenschaft. Mit jedem dieser Ereignisse sind Namen verbunden. Martin Luther, zum Beispiel, Christopher Kolumbus und Galileo Galilei. Müsste der Autor dieses Beitrags für den ersten zaghaften Schimmer der Aufklärung unter dem Aspekt dieser drei Ereignisse einen mehr oder weniger exakten Zeitpunkt nennen, so entschiede er sich für das dritte, die Erfindung des Teleskops und Galileo Galilei. Warum ausgerechnet für dieses, für diesen? Warum nicht für Martin Luther, die Reformation, welche den Seelenfrieden jener Zeitgenossen aufs tiefste beunruhigt und einen Riss wie eine klaffende Wunde durch das europäische Christentum gezogen hatte? Warum nicht für die Entdeckung des neuen Kontinents, welche die unmittelbare Aufmerksamkeit der Menschen erregte?

Weil Galilei der erste Mensch war, der ein Gerät – eine Prothese, zur Erweiterung des Sinnesapparates des Erdlings – so benutzte, dass es ihm gelang, in Regionen vorzudringen, die sich bis zu jenem Zeitpunkt nur der Spekulation und der Phantasie erschlossen hatten.

Mit diesem ersten Blick in die Unendlichkeit des Weltalls legte Galilei den Grundstein für die modernen Naturwissenschaften. Jener Blick über die Grenzen des für menschliche Augen Wahrnehmbaren hinaus, bedeutete Abschied zu nehmen vom ptolemäischen Weltbild und vom Mittelalter. Es war, das wissen wir heute, ein langes Abschiednehmen; es dauerte Jahrhunderte und bedurfte eines Newton, der als Nachfolger Galileis als Begründer der exakten Naturwissenschaften in die Geschichte einging. Es war Newton, welcher das mechanistische Weltbild formuliert hat, und es war Newton, der einen Weg vom Lokalen zum Globalen, einen Übergang vom Fall der Körper zu den Umlaufbahnen der Planeten, gefunden hat.

Es waren, das ist eine unbestreitbare Tatsache, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die technischen Entwicklungen, die der Aufklärung Auftrieb verliehen.

Das 18. Jahrhundert schließlich hat mehr Philosophen, Schriftsteller, andere geniale und kritische Geister hervorgebracht als jedes andere uns bekannte zuvor. Freie Geister, die unweigerlich die Themen Wissenschaft und Religion aufgreifen mussten. Die Religion, weil diese all die vorhergehenden Jahrhunderte beherrscht hatte, und die Wissenschaften, weil diese stets unterbewertet worden waren. Philosophen und Schriftsteller fingen Fragen zu stellen an. Unbequeme Fragen und lästige. Man wollte Zweifel beseitigen, Dogmen aus den Angeln heben und vage Lehr- und Glaubenssätze ins richtige Licht rücken. Das Bestreben der Philosophen, Schriftsteller und Wissenschafter galt der Suche. Der Suche nach Wahrheit mit Hilfe der Vernunft und den Wissenschaften.

Freimaurerlogen waren die Orte, an denen der Toleranzgedanke und die Reform- und Freiheitsgedanken, die Grundlagen der Aufklärung, reifen konnten.

Dass die Freimaurer in Bezug auf den Toleranzgedanken ihrer Zeit weit voraus waren, bestätigt „Die Verfassung der Freimaurer“, die im Jahre 1723 erschienen ist.

„In alten Zeiten waren die Maurer in jedem Lande zwar verpflichtet, der Religion anzugehören, die in ihrem Lande oder Volke galt, heute jedoch hält man es für ratsamer, sie nur zu der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besonderen Überzeugungen selbst zu belassen. Sie sollen also gute und redliche Männer sein, von Ehre und Anstand, ohne Rücksicht auf ihr Bekenntnis oder darauf, welche Überzeugungen sie sonst vertreten mögen. So wird die Freimaurerei zu einer Stätte der Einigung und zu einem Mittel, wahre Freundschaft unter Menschen zu stiften, die einander sonst ständig fremd geblieben wären.“

Die Aufklärung ist eine geistige Bewegung, die im 18. Jahrhundert greif- und nachvollziehbar geworden ist. Dass diese Bewegung – nicht nur – aber vorwiegend von Freimaurern ausging, ist nachweisbar.

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