Joseph Fidel Wieland

Ein Wieland als Namensgeber

AARAU Das markante Gebäude südlich des Bahnhofs verdankt seine Bezeichnung der Freimaurerloge.

Hermann Rauber
In Aarau spricht man ganz selbstverständlich vom „Wielandhaus“, wenn man nach dem Sitz des kantonalen Departements des Innern fragt. Woher aber stammt der Begriff? Namenspatron war der Fricktaler Joseph Fidel Wieland, der im 19. Jahrhundert lebte und eng mit der Freimaurerloge verbunden war.

Das „Wielandhaus“ befindet sich einen Steinwurf vom Aarauer Bahnhof an der Frey-Herosé-Strasse und ist Sitz der kantonalen Verwaltung. Hier residiert das Departement des Innern […]. Woher aber stammt die seltsam klingende Affiche „Wielandhaus“? Sie geht ins 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Freimaurerbewegung im Aargau verknüpft.

Die Loge „Zur Brudertreue“

Am 27. Oktober 1811 eröffneten neun Männer in Aarau die Loge „Willhelm Tell“, und zwar Heinrich Zschokke, Johann Herzog von Effingen, Friedrich Heldmann, Johann Nepomuk von Schmiel, Freiherr Carl von Hallwyl, Heinrich Remigius Sauerländer, Daniel Dolder, Heinrich Fisch und Franz Imhof. Noch im gleichen Jahr wurde die Loge umgetauft und hiess fortan (und bis heute) „Zur Brudertreue“. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Kreis der Freimaurer in Aarau stetig an. Es stellte sich immer dringender die Frage nach einem geeigneten Lokal für die Zusammenkünfte. Im Jahre 1863 beschloss die Loge, selber ein Domizil zu bauen.

Unmittelbar südlich der Hinteren Bahnhofstrasse in Aarau konnte man ein fast zwei Jucharten grosses Grundstück erwerben. Die damalige Kaufsumme betrug 20 000 Franken. Das neue Logengebäude beanspruchte nur einen Teil des Areals, den Rest verkaufte man der Firma Schäfer. Die Bausumme von 6000 Franken musste bar auf den Tisch gelegt werden. Alt-Meister vom Stuhl Carl Sauerländer streckte der Loge diesen Betrag vor, weitere Auslagen konnten durch den Verkauf von Obligationen an die Mitglieder gedeckt werden. Am 29. Oktober 1865 durfte die Loge das Gebäude feierlich einweihen, es diente der „Brudertreue“ bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

1971 fassten die Aarauer Freimaurer den Entschluss, an der Stelle des alten Gebäudes ein neues „Wielandhaus“ zu errichten. Am 20. April 1974 fand die feierliche Eröffnung des neuen Logenlokals statt, in dem seither in zwei Untergeschossen maurerisch gearbeitet wird. Der Hauptteil der Stockwerke ist dem Staate Aargau vermietet. Der Bau erwies sich laut Chronik der Loge „als glückliche Investition“, hat doch die „Brudertreue“ seither „eine solide Finanzbasis“.

Weshalb aber kamen die Freimaurer 1865 auf die Idee, ihr erstes, eigenes Domizil in der Kantonshauptstadt „Wielandhaus“ zu nennen? Archivar Hans G. Bressler hat die entsprechenden Fakten zusammengetragen und herausgefunden, dass die Familie Wieland in der „Brudertreue“ im 19. Jahrhundert eine tragende Rolle gespielt hatte. Namensgeber war der Arzt Joseph Fidel Wieland (1797-1852), Bürger von Rheinfelden, bedeutender Aargauer Staatsmann in der Zeit der Regeneration und Meister vom Stuhl der Loge in Aarau.

Wurzeln in Rheinfelden

Wieland wurde noch als Vorderösterreicher geboren und studierte in Freiburg und Heidelberg Medizin. 1820 machte er im noch jungen Kanton Aargau sein Staatsexamen. Bald verband er seine ärztliche Praxis in Rheinfelden mit öffentlichen Tätigkeiten (Gemeinderat, Schulpfleger, Bezirksrichter). Nach langem Zögern hielt er 1833 im Grossen, 1835 im Kleinen Rat des Kantons seinen Einzug. In den Jahren 1836, 1843, 1846 und 1850 bekleidete er das Amt eines Landammanns. 1840 trat Joseph Fidel Wieland, dem Beispiel seines Vaters folgend, der Loge „Zur Brudertreue“ in Aarau bei. Wie damals von der Verfassung bestimmt, nahm er als Regierungsrat obligatorisch Wohnsitz in der Kantonshauptstadt.

Der Katholik aus dem unteren Fricktal war laut Bressler „politisch ein Radikaler, nicht aber ein Scharfmacher“, der stets das „Versöhnliche und Verbindende betonte“. Die letzte magistrale Unterschrift setzte Joseph Fidel Wieland unter den Verfassungsentwurf von 1852, dessen Annahme durch die Bürger er aber nicht mehr erleben durfte.